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Wissensentwicklung

In Wissensgesellschaften haben sich Arbeits- und Lernprozesse veraendert. Da wir uns auf staendig neue inhaltliche und technologische Workflows/Situationen einstellen muessen wird das lebenslange Lernen zum selbstverstaendlichen Bestandteil der Arbeitswelt. Auch hat sich das Wissen selbst veraendert. Oft ist vorher noch gar nicht klar, welches Faktenwissen tatsaechlich gebraucht wird.
In einer beschleunigten Welt wird Zeit zum hoechsten Gut. Die Frage ist also: Wie kann Wissen effektiv - in moeglichst wenig Zeit - angeeignet werden?

Laut Sperber und Wilson sind Menschen "effeziente Informationsprozessgeber" (1). Das unterscheidet uns von anderen Lebewesen. Doch bezieht sich diese Beobachtung auf Faktenwissen, auf abrufbare und nachvollziehbare Lernprozesse. In diesen wird Faktenwissen exakt definiert und vor dem Lernprozess fuer die Vermittlung aufbereitet.

Michael Polanyi hat bereits 1967 den Begriff des "tacid knowledge" eingefuehrt. Dieser bezeichnet die stillen und intimen Lernprozesse, die wir in uns selbst tragen. Er beschreibt sie als "wir wissen mehr als wir sagen koennen" (2). Wissen selbst muss also neu definiert werden. Unterschieden wird zwischen explizitem Wissen, was z.B. durch quantitative Umfragen ermittelt wird, und implizitem, stillen und unterbewusstem Wissen, das sich auf der Gefuehlsebene abbildet und mit psychologischen Methoden erforscht werden kann.

Naeve geht 2005 noch weiter und definiert (geistiges) Wissen als einen auf insprierender Imagination/ "Phantasien" basierender Lernprozess (3). Jede Phantasie hat einen Kontext, einen Zweck und eine Zielgruppe. Wissen kann hier nur in dem jeweils spezifischen Kontext messbar sein und auch nur in dem spezifischen Projektrahmen evaluiert werden. Lernprozesse zu gestalten bedeutet also die Lernenden mit dem Imaginaeren, den Phantasien zu konfrontieren. Der Prozess orientiert sich somit an den Lernenden selbst und nicht am Lehrpersonal.

Dem Lehrpersonal kommen architektonisch gestaltende und moderierende Rollen zu. Entscheidend sind das Lern- und Wissensmanagement. A. Naeve bezeichnet die noetige Informationsarchitektur als "Public Knowledge and Learning Management Environment" (4), kurz PKLME, die auf Open Source Standards und semantischer Webtechnologie basiert. Es werden 7 Wissensfunktionen definiert: Wissenskartographie, Wissensbibliothek, Wissenskomposition, Wissensberatung, Wissensvermittlung mit Realtime Antworten, Wissensanalyse/Reflektion und Wissensmentoring.

Die Wissenskartographie besteht aus auf Kontext Landkarten eingezeichneten Wissensfeldern. Die Wissensbibliothek fuellt diese Felder mit Inhalten. In der Wissenskomposition werden aus den Feldern Module entwickelt. Die Wissensberatung gestaltet den Prozess der Vermittlung in zeitlicher Abfolge.
In der Wissensvermittlung wird dieser Prozess angewendet. Die Analyse vertieft das Wissen und oeffnet den Raum fuer Fragen. Im Wissensmentoring werden diese ausgewertet.

Waehrend der Lernprozesse interagieren stille intime Lernprozessen mit expliziteren Wissensprozessen, wodurch eine "Wissensentwicklungsspirale" entsteht (5). Diese bewegt sich durch die individuellen Handlungen und die kollaborativen Prozesse hin zu institutionellen Transformationen.

Wissensentwicklung ist demnach ein in Spiralen rotierender Prozess, der das Wissen einzelner zu einem Wissensnetzwerk von vielen auf mehreren Ebenen zusammenfuehrt.

(1) Sperber, D. and Wilson, D. (1995) "Relevance", 2nd ed. Blackwell Publishing, Oxford
(2) Polanyi, Michel (1967) "The Tacit Dimension", New York, Anchor books
(3) Naeve, A. (2005) "The human semantic web - shifting from knowledge push to knowledge pull", International Journal of Semantic Web and Information Systems, Vol. 1, No. 3, July - September, pp.1-30
(4) Naeve, A. (2001a) "The knowledge manifold - an educational architecture that supports inquuty-based customizable forms of E-learning",Proc. 2nd European Web-Based Learning Environments Conference, 24-26 October, Lund, Sweden, pp 200-212
(5) Takeuchi, H. and Nonaka, I. (Eds) (2004) "Hitotsubashi on Knowledge Management, Wiley & Sons (Asia), Singapore.

Dieses Abstract basiert auf dem Text "A modeling Approach to study learning Prozesses with a focus on knowledge creation" von  Ambjoern Naeve, Pertti Yli-Luoma, Milos Keavcik und Militiadis D. Lytras.








 

 

 

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